Das Licht geht aus, Jugendliche in weißen T-Shirts wandern im Kreis. Plötzlich stoßen einige die anderen zu Boden. Sie erzählen von 2050, menschenleeren Städten, KI-Kommunikation statt persönlicher Begegnungen, multiplen Krisen. Dann werden die Liegenden eingeteilt in „Du nicht“, die daraufhin den Boden zu putzen beginnen. Wer mit „Du“ aufgefordert wird, darf aufstehen und selbst Befehle erteilen.
So begann vergangenen Montag die Theaterperformance des Kopernikus Gymnasiums in Bargteheide zum Thema „Zukunft“. Unterstützt wurde das Projekt von der Kunstberaterin Eva Mueller, die persönlich eingeladen war, um nach dem 15-minütigen Stück über Kunst und Vision zu sprechen. „Wenn ich mit Leuten spreche, erzählen sie mir in erster Linie von ihrer Betroffenheit angesichts der aktuellen Krisen. Wie muss das bei Jugendlichen ankommen, die gerade erst ihr Leben selbst in die Hand nehmen wollen?“ erzählt Eva Mueller. „Mein Ziel ist es aber, Zukunfts-Mut weiterzugeben. Ich bin nicht naiv. Die Herausforderungen sind deutlich. Aber wie war das eigentlich bisher? Wie haben Rebellinnen, Künstlerinnen und Visionärinnen die Welt verändert? Es war zu keinen Zeiten einfach, (…) aber es gab immer willensstarke Persönlichkeiten“, erläutert Mueller und denkt dabei zum Beispiel an Emmely Pankhurst, die schon mit 14 bei Versammlungen für das Frauenwahlrecht auftrat und nach Straßenschlachten und Verhaftungen gemeinsam mit anderen 1928 schließlich ihr Ziel erreichte. Oder an Künstlerinnen und Künstler wie Lewis Hine, Dorothea Lange und andere, die in ihrer Sozialfotografie dokumentierten, wie kleinste Kinder in Fabriken, Minen, Bergbaugruben arbeiteten. Sie zeigten ihre Bilder so oft, bis 1920 die Kinderarbeit in den USA abgeschafft wurde.
Oder Visionäre wie Viktor Frankl hatten das KZ überlebt. Weil er für sich ein „Warum zum Leben“ fand. In einem Erdloch, in dem er sich zur Strafe drei Tag aufhalten musste, entwickelte er die Vision, nach dieser Zeit in einem prunkvollen Saal in Wien von seinen Erkenntnissen zu sprechen. So geschah es.
Wie schon die Ethnologin Margaret Mead sagte:
„Es gibt keinen Zweifel, dass eine kleine Gruppe besonnener, entschlossener Bürger die Welt verändern kann. Wenn man es genau nimmt, ist dies überhaupt der einzige Faktor, der je eine Änderung der Welt bewirkt hat.“ Und auf diese Weise endete auch das Theaterstück in der Kuhle des Kopernikus Gymnasiums.
„Was geben wir nächsten Generationen weiter? Wie wäre es mit Zukunfts-Mut: Zuversicht als Erbe!“, so Eva Mueller am Ende der Gesprächsrunde.
(Theaterfotos von Jo Larssen)



